Ghom-Werkstätten und Meister: was belegt ist und was nicht

Erami, Jamshidi, Mirmehdi, Amiri und andere: welche Ghom-Werkstätten Kataloge, Oral History oder Ehrungen belegen und was nur der Handel sagt.

[View of Koum] (Luigi Pesce, albumen silver print)

The Metropolitan Museum of Art, 1977.683.49 · CC0

Stand: November 2026 · Quellen verlinkt

Auf einen Blick

  • Die dichteste Überlieferung gibt es für die Familie Erami (persisch ارمی): drei Generationen von 1913 bis heute, nach Angaben der Familie.
  • Mohammad Jamshidi hat 2022 in einer Oral-History-Sitzung selbst Auskunft gegeben: Geburtsjahr, Dichte, Entwerfer und Exportmärkte.
  • Das Nationale Teppichzentrum Irans ehrte 2022 unter anderem Reza Erami sowie Aghagol und Morteza Mirmehdi aus Ghom.
  • Mehrere weitere Namen sind nur als Signatur in Katalogen von Dorotheum, Chiswick oder Nagel belegt, einige nur durch Händler.
  • Eine wissenschaftliche Werkstattgeschichte Ghoms gibt es nicht. Dieses Register ordnet jeden Namen nach der Art seines Belegs ein.

Wer einen signierten Ghom-Teppich (Qom, Qum, Kum; persisch قم) besitzt oder ansieht, möchte wissen, wer hinter dem Namen steht. Eine wissenschaftliche Darstellung der Werkstätten der Stadt war für diesen Beitrag nicht auffindbar. Was existiert, sind Auktionskataloge, ein Museumsdatensatz, persische Oral History, Firmenporträts und viele Händlertexte. Dieses Register trennt sie sauber. Es sagt bei jedem Namen, was belegt ist und wodurch.

Wie dieses Register zu lesen ist

Der Status hat fünf Stufen:

  • belegt bedeutet: Ein Museum, ein Auktionshaus oder ein Nachschlagewerk bestätigt die Angabe. Bei Auktionshäusern ist meist nur die Signatur belegt, nicht die Geschichte der Werkstatt.
  • staatliche Ehrung bedeutet: Der Name steht auf einer veröffentlichten Ehrenliste. Eine Werkstatt nennt die Liste nicht.
  • Oral History bedeutet: Die Person hat selbst öffentlich Auskunft gegeben, oder ein Zeitzeuge berichtet. Es handelt sich um Erinnerung, nicht um geprüfte Dokumente.
  • Firmen- oder Portalangabe bedeutet: Die Angabe stammt aus einem Firmenporträt oder einem Publikumsportal ohne Belege.
  • nur Händlerangabe bedeutet: Ein Händler nennt die Angabe ohne Quelle.

Eine Signatur in einem Katalog belegt nur, dass dieser Name auf diesem Teppich steht. Wie Signaturen aufgebaut sind, erklärt der Beitrag Signierte Ghom-Teppiche: die Signaturkartusche lesen.

Video aus dem YouTube-Kanal von Hassan Farahani (Teppichbazar) Beim Abspielen wird das Video von YouTube (Google) geladen; dabei werden Daten an Google übertragen.

Schreibweisen

Persische Namen erscheinen in lateinischer Schrift sehr verschieden. Für die Suche in Katalogen helfen diese Varianten:

PersischVariantenAnmerkung
جمشیدیJamshidi, DjamshidiNagel und Chiswick schreiben Jamshidi
میرمهدیMirmehdi, Mir MehdiEhrenliste 2022: میرمهدی
قمGhom, Qom, Qum, KumOrtsname in vielen Signaturen

Die Familie Erami

Für keine andere Ghomer Werkstatt liegt eine so lange Überlieferung vor. Sie stammt aus zwei persischen Quellen: dem Publikumsportal Beytoote und einem Firmenporträt auf dem Teppichportal Carpetour. Beide nennen keine Belege. Die Daten unten sind daher Angaben der Familie und des Portals, keine geprüften Fakten.

GenerationNameAngabenQuelle
1Haj Mahmoud Erami (حاج محمود ارمی)geboren 1292 SH (1913/14) in Kaschan; mit zehn Jahren nach Ghom; lernte das Aufziehen der Kette (chelleh-davani); mit zwanzig einer der besten Kettenaufzieher Ghoms; verbreitete die Knüpferei in Dörfern um Ghom; gestorben 1365 (1986/87) mit 73 Jahrencarpetour.net, Nr. 1228; Beytoote
2Haj Hossein Erami (حسین ارمی)Sohn; geboren 1325 (1946/47) in Ghom; ab 15 Jahren in der Werkstatt des Vaters; ab etwa 25 Jahren Ganzseidenteppiche; ließ auch in Saveh, Hamadan, Zandschan, Täbris und Bostanabad knüpfen; laut Porträt einer der Ersten in Ghom mit Ganzseidenteppichen von 24 und 40 m²; gestorben mit 68 Jahrencarpetour.net, Nr. 1228
3Mohammad EramiSohn; geboren 1360 (1981/82); Studium Wirtschaftsingenieurwesen (mohandesi-ye sanaye); ab 1383 (2004/05) Verkauf im Teheraner Basar; Messen in Kuwait, Deutschland, Irak, England, den Emiraten und Russlandcarpetour.net, Nr. 1228
3Mehdi EramiSohn; geboren 1361 (1982/83); ab 1379 (2000/01) im Betrieb; verantwortlich für Entwurf und Farbgebungcarpetour.net, Nr. 1228
3Mahmoud EramiSohn; auf einem Foto des Porträts genannt, ohne weitere Angabencarpetour.net, Nr. 1228
–Reza Erami, Ghomgeehrt vom Nationalen Teppichzentrum, 8. Mai 2022; Verwandtschaft nicht angegebenIran Carpet Company

Mohammad und Mehdi Erami führen die Marke „Farsh-e Abrisham-e Hossein Erami Qom“ gemeinsam (carpetour.net, Nr. 1171). Im April 2023 sprach Mohammad Erami im Teppichmuseum Iran in Teheran über die Ghomer Knüpfschule. Das Porträt nennt als Leistungen der Marke Feinknüpfung über 100 Raj, die Teilnahme an einer Ausstellung im Niavaran-Palast 1393 (2014/15), die Expo 2020 in den Emiraten (2022) und einen iranisch-italienischen Teppich zum 160. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen 1401 (2022/23) (carpetour.net, Nr. 1228).

Das Staatsgeschenk. Bekannt wurde die Werkstatt durch den Teppich für Japans Premierminister Shinzō Abe 2019. Wikipedia beschreibt ihn mit 205 × 205 cm, mehr als vier Millionen Knoten, Rosenmuster (gol-farang), Medaillon (toranj) und Eckstücken (lachak) (Wikipedia: Qom rug). Carpetour nennt die iranische Handelskammer als Schenkende, rund 4 m², einen lapisblauen Grund und Goldornament (carpetour.net, Nr. 1171). Die Leistungsliste im Porträt und Beytoote nennen Präsident Rouhani als Überbringer. Abes Besuch in Teheran im Juni 2019 ist durch Presseberichte belegt (Dawn).

Die Signatur. Abbildungen im Carpetour-Porträt zeigen Kartuschen mit „ایران قم ارمی“ (Iran, Ghom, Erami) und „قم – ارمی“. Im Juli 2024 warnte die Firma öffentlich vor Teppichen, die fremde Hersteller mit ihrem Namen versehen. Käufer sollten eine Herkunftsbescheinigung (shenasnameh) der Firma verlangen und bei ihr prüfen lassen (carpetour.net, Nr. 1230). Eine Signatur „Erami“ allein belegt also nicht die Herkunft aus dieser Werkstatt.

Jamshidi (Djamshidi)

Jamshidi ist der Name mit den meisten Belegen verschiedener Art. Im Oktober 2022 gab Mohammad Jamshidi in der 442. Sitzung des Ghom-Studien-Instituts (Bonyad-e Qom-pazhuhi) selbst Auskunft (Hawzah News):

  • Geboren 1326 (1947/48) in Ghom; der Vater stammte aus Kaschan und starb vor seiner Geburt. Er lernte das Knüpfen von der Mutter und arbeitete ab 14 Jahren.
  • Damals hätten alle Wolle geknüpft; Seide sei nicht üblich gewesen. Er wechselte allmählich zur Seide.
  • Seine Muster zeichnete ein Maler, Mirza Mohammad Kashi, der nur für ihn arbeitete. Die heutigen Entwürfe gehen auf diese Zeichnungen zurück.
  • Kleine Formate gingen vor allem nach Japan, große nach Deutschland. Auch die Emirate nannte er als wichtigen Markt.

Sein Sohn Alireza Jamshidi ergänzte Zahlen. Der Vater habe mit 75 Raj geknüpft, die Söhne knüpften mit 100 bis 110 Raj. Ein Teppich mit 200 Raj sei seit zehn Jahren auf dem Webstuhl und unverkäuflich. Heute arbeiteten 200 Knüpferinnen und Knüpfer für den Betrieb, früher bis zu 1.000, auch in anderen Provinzen. Der Vorsitzende des Provinzverbands, Sadeghi, nannte Jamshidi in derselben Sitzung den „Sultan der Seidenteppiche“, vor allem in Ostasien und Japan.

Auch Auktionshäuser belegen den Namen. Chiswick dokumentiert eine Signatur „Jamshidi“ (Chiswick, Lot 84). Nagel nannte die „Meistermanufaktur Jamshidi“ 2019 wohl die beste Werkstatt Ghoms. Der Katalog beschreibt zwei verschiedenfarbige Fäden in einem Knoten und ein Medaillon als Blick in eine Kuppel (Nagel via veryimportantlot). Ob alle Teppiche mit diesem Namen aus derselben Werkstatt stammen, sagt keine Quelle.

Das Register

Werkstatt / MeisterBehauptungQuelleStatus
Nimatullah JawshaqaniInschrift auf einem von zwölf Seidenteppichen im Mausoleum Schah Abbas’ II. in Ghom, datiert 1082 H.V&A, T.438-1976belegt
Familie Eramidrei Generationen seit 1913, siehe obencarpetour.net; BeytooteFirmen- und Portalangabe
Hossein EramiWerkstatt des Staatsgeschenks an Abe, 2019Wikipedia: Qom rug; carpetour.netbelegt (Sekundärquelle)
Reza EramiEhrung des Nationalen Teppichzentrums, 2022Iran Carpet Companystaatliche Ehrung
EramiMeister mit eindrucksvollen FarbenLittle Persianur Händlerangabe
Mohammad Jamshidigeboren 1947/48; 75 Raj; Söhne 100–110 Raj; Entwerfer Mirza Mohammad Kashi; Export nach Japan, Deutschland, EmirateHawzah NewsOral History (eigene Aussage)
JamshidiSignatur „Jamshidi“ in einer Kartusche, Seiden-Qum ca. 147 × 98 cm, verkauft 24.03.2026Chiswick, Lot 84belegt (Signatur)
Jamshidi„Meistermanufaktur Jamshidi“, laut Katalog wohl die beste Werkstatt GhomsNagel (via veryimportantlot)belegt (Wertung des Auktionshauses)
Rajabianknüpfte um 1961 bereits gute SeidenteppicheHawzah NewsOral History (genannt von Jamshidi)
Ous Gholamhossein Arsalani„einer der Ersten“ und „Vater des Ghom-Teppichs“Hawzah NewsOral History (genannt von Mohammad Rezvani)
Aghagol und Morteza MirmehdiEhrung des Nationalen Teppichzentrums, 2022, beide „Ghom“Iran Carpet Companystaatliche Ehrung
AmiriSignatur „Ghom Iran Amiri“, ca. 400 × 297 cm, verkauft 23.03.2016Dorotheumbelegt (Signatur)
DaneshpoueSignatur „Ghom Daneshpoue“, Jagdszenen, ca. 395 × 290 cm, 21.10.2020Dorotheumbelegt (Signatur)
Sadegh ZadehSignatur „Ghom Sadegh Zadeh“ an zwei Seiten, ca. 300 × 207 cm, 2025Dorotheumbelegt (Signatur)
Abol FashliSignatur „Abol Fashli“, ca. 151 × 100 cm, 11.10.2022Dorotheumbelegt (Signatur)
Kazemi„Master weaver Kazemi“, signierter Seiden-Qum, um 1970Farnham Antique Carpetsnur Händlerangabe
Mohammadi, DjeddiMeister mit eleganten Entwürfen bzw. MedaillonsLittle Persianur Händlerangabe
Habibian (Familie), Ahmad Seirafianbekannte Weber aus dem Raum GhomLittle Persianur Händlerangabe, widersprüchlich
Hossein KashizadehSignatur in persischer und lateinischer Schriftrugs.netnur Händlerangabe
GholbafanSignatur flankiert von Kamel- und Elefantenfigurenrugs.netnur Händlerangabe
DarakhshanSignatur in der Bordürerugs.netnur Händlerangabe

Zur Ehrenliste: Sie verzeichnet 100 „würdige Persönlichkeiten“ mit Wohnort, ohne Beruf oder Werkstatt. Ein Javad Kazemi aus Ghom steht ebenfalls darauf. Ob er mit der Signatur „Kazemi“ zusammenhängt, ist offen.

Ältere Namen aus der Oral History

Die Sitzung von 2022 nennt weitere Personen der frühen Jahre (Hawzah News). Mohammad Rezvani lernte um 1342/43 (1963–65) mit Mohammad Jamshidi bei Haj Ebrahim Montazeri, später bei Jafar-agha Arsalani. Dessen Großvater sei Ous Gholamhossein Arsalani gewesen. Rezvani erinnerte auch an Kaufleute: Der Bankrott des Händlers Haj Gholamhossein Azadikhah, rund 1,2 Millionen Toman, habe den Ghomer Teppich schwer getroffen. Danach seien Ali Esfahani (Radmanesh) aus Teheran und Haj Habibollah Nakhaei wichtige Käufer gewesen.

Die Quellen sind sich nicht einig

Erami oder Arsalani als Gründer. Beytoote und Carpetour sehen Haj Mahmoud Erami als frühen Zuwanderer und Förderer der Dorfknüpferei. Rezvani nennt Ous Gholamhossein Arsalani den „Vater des Ghom-Teppichs“. Beide Angaben sind Überlieferung; die Hintergründe erklärt der Beitrag Ghom-Teppiche: Geschichte und Herkunft. Seirafian. Little Persia zählt Ahmad Seirafian zu den bekanntesten Webern aus dem Raum Ghom. Die englische Wikipedia nennt Seirafian dagegen die berühmteste Werkstatt Isfahans (Wikipedia: Isfahan rug). Eine Fachquelle für eine der beiden Zuordnungen fand sich nicht. Habibian. Für die Familie gibt es nur die Ghom-Zuschreibung von Little Persia.

Warum so wenig belegt ist

Die einzige wissenschaftliche Quelle zur Ghomer Teppichwirtschaft, Willem Floors Iranica-Beitrag nach Marcel Bazin, beschreibt eine dörfliche Produktion. Die Stadtverwaltung lieferte Material und Entwürfe (Iranica, Carpets xii). Einzelne Meister nennt Floor nicht. Auch in den geprüften Museumssammlungen fand sich keine Objektseite eines modernen Ghom-Teppichs mit Werkstattangabe.

Die persische Oral History füllt diese Lücke teilweise. Sie liefert Namen, Daten und Erinnerungen, aber keine Dokumente. Der Ghom-Forscher Seyed Mohsen Mohseni regte in der Sitzung von 2022 ein Wörterbuch des Ghom-Teppichs an. Begriffe wie rang-e dughi (mit Dugh gefärbte Farbe) sollten gesammelt und erklärt werden, damit die Forschung sie nutzen kann.

Was Sie mit diesem Register anfangen können

Wenn Ihr Teppich einen der Namen trägt, wissen Sie jetzt, welche Aussagen über diese Werkstatt überprüfbar sind. Behandeln Sie Rangfolgen wie „bester Meister“ als Werbung, solange keine unabhängige Quelle sie stützt. Notieren Sie die persische Schreibweise der Signatur. Bei der Marke Erami lohnt zusätzlich die Frage nach der Herkunftsbescheinigung.

Hinweise auf belastbare Quellen, etwa Firmenunterlagen, Ausstellungskataloge oder Fachaufsätze, nimmt die Redaktion gern auf. Jeder neue Eintrag wird mit Quelle und Status ergänzt.

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Quellen